Schwachhausen

Beteiligungsprojekte

Mitbestimmung in Schwachhausen

Spielleitplanung in Bremen-Schwachhausen

Geht doch! Spielen 
 
Die „Spielleitplanung Schwachhausen“ orientiert sich an der Leitidee einer bespielbaren Stadt. Dazu werden Interessen und Bedürfnisse von Jugendlichen, Kindern und ihren Eltern in die Stadtentwicklung eingebracht. Die Stadtentwicklung betrifft die gesamte Stadt – vom Hauseingang bis zum Zentrum, von den Brachflächen am Stadtrand bis zum Schulhof. Anfang 2010 wurden durch Kinder- und Jugendbeteiligung in zahlreichen Workshops und Streifzügen 55 Ideen für den Stadtteil Schwachhausen entwickelt.
Viele davon sind kleine Ideen, die sofort umsetzbar sind. Acht Fahnenmasten zeigen, wo größere Projekte bald verwirklicht werden sollen.
 
Das wollen die Kinder
Kinderfreundliche Strukturen müssen erhalten bleiben und flächendeckend angeboten werden:
  • Fußwegeverbindungen abseits der Straßen
  • Gartenmäuerchen zum Balancieren
  • Garagenhöfe und Einfahrten
  • Rasenflächen zwischen den Wohnblocks
  • Straßen und Wendeplätze zum Spielen

Beliebt sind bei den Kindern die Spielplätze an der Gete, Richard-Strauß-Platz, Dijonstraße und Schenkendorfwiese.

Das wollen die Jugendlichen
Beliebt bei der Jugend Schwachhausens sind die Spielplätze, Schulhöfe und der Bürgerpark sowie Einrichtungen und Vereine.
Wünsche der Jugendlichen betreffen weitere Sitz- und Treffpunktmöglichkeiten im Stadtteil,
mehr Bewegungsangebote (Fußball, Skaten, Sportgarten) und anspruchsvolle Klettermöglichkeiten.
 
Das wollen die Eltern
In der AG „Spielleitplanung Schwachhausen“ wurden unter anderem Vorschläge für die Belebung vorhandener Grünflächen entwickelt.
Die beteiligten Eltern wünschten sich Spielstraßen, Verbesserungen des Spielangebotes auch für Babys und Kleinkinder, sowie ein Elterncafé beim beliebten Schiffsspielplatz im Bürgerpark.
 
 
Kontakt:
Amt für Soziale Dienste (federführend)
Beirat und Ortsamt Schwachhausen
SpiellandschaftStadt e.V.

(Info vom Amt für Soziale Dienste)

 

 

Es gab einige Jahre einen Jugendbeirat Schwachhausen

Der folgende Auszug über die Entstehung und Umsetzung der Idee der Jugendbeiräte für Bremen ist der Domumentation: 

"Die Clique-Eine Jugend in Schwachhausen 2000-2009"  entnommen.

Die vollständige Dokumentation gibt es hier als download:

http://freizi-parkallee.de/presse/DieClique.pdf

 

"…dass wir super euphorisch waren, was den Jugendbeirat anbelangt…"  

 Beirat und Jugendarbeit bringen eine Idee voran

Auch politische Beteiligung von Jugendlichen war im Stadtteil wichtig. Parallel zum Angebot der Offenen Tür im DRK Freizi-Parkallee wurde im Jahr 2004 das Projekt Jugendbeirat, gemeinsam mit dem Beirat Schwachhausen, ins Leben gerufen.

Nur wenige der befragten Jugendlichen (3), zwei Mädchen und ein Junge, engagierten sich aktiv in dieser Arbeitsgruppe, alle weiteren Beteiligten kamen aus anderen Zusammenhängen. Viele Jugendliche der Clique waren jedoch sporadisch mit dabei oder besuchten in der Anfangsphase die Gruppentreffen, die Dino Nieszery, Mitarbeiter des Freizi-Parkallee, und Petra Brandt, Geschäftsführerin des VAJA e.V., in Kooperation regelmäßig einmal wöchentlich in der Jugendeinrichtung am Bürgerpark gestalteten.

 In der Beschreibung des Jugendbeirates von 2004 steht zur Begründung seiner Etablierung:

"§ 3.1 'Kinder und Jugendliche haben ein eigenständiges Recht auf Wahrnehmung ihrer Interessen und Bedürfnisse...'  

So steht es im Bremischen Kinder-, Jugend- und Familienförderungsgesetz (BremKJFFöG) vom 28.12.1998 sowie anderen gesetzlichen Grundlagen bezüglich der Forderung einer stärkeren politischen Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Diese Forderung wird einstimmig von VertreterInnen aller politischen Parteien geäußert. Herkömmliche Beteiligungsformen am gesellschaftlichen und politischen Leben scheinen für viele Jugendliche nicht mehr attraktiv zu sein. Adäquate Konzepte, die auch für Jugendliche interessant sind, fehlen aber zumeist. Diese Lücke sollte das Konzept des Jugendbeirats Schwachhausen schließen. Denn: Da in vielen anderen Gemeinden die Gründung von Jugendbeiräten, Jugendräten, Jugendparlamenten oder andern institutionellen Beteiligungsformen Jugendlicher erfolgreich gestartet war, sollte dies nicht auch für einen Stadtteil Bremens möglich sein?"

In einem Schreiben vom Ortsamt Schwachhausen/Vahr vom August 2009 erinnert sich Ernst Kittlaus, stellvertretender Ortsamtsleiter, an die ersten Schritte in Richtung eines Jugendbeirates in Schwachhausen: Das Beiratsmitglied Herr Dr. Weigel (Bündnis 90/Die Grünen) hatte bereits am 21. Februar 2002 die Bildung einer Arbeitsgruppe zur Einrichtung eines Jugendbeirates vorgeschlagen, die schließlich im April 2002 mit der Beteiligung von mehreren Mitgliedern aus den verschiedenen Fraktionen initiiert wurde. Unter Einbeziehung eines Beiratsmitglieds aus Osterholz, das schon Erfahrung mit dem Projekt "Jugend im Beirat" hatte, sowie SchülerInnen der weiterführenden Schulen aus Schwachhausen wurde im Herbst/Winter 2002/03 versucht, das Projekt voranzutreiben und bei der Zielgruppe eine Breitenwirkung zu erreichen. Jedoch konnten verschiedene Ideen zunächst nicht realisiert werden. Ernst Kittlaus berichtet:

"Nach einer Phase der Ratlosigkeit aller Beteiligten konnte das Projekt letztlich erst wieder durch die Initiative der sozialpädagogischen Mitarbeiter des Freizi-Parkallee im Sommer 2004 angeschoben werden, wo eine Projektbegleitung bei der Gründung eines Jugendbeirates angeboten wurde."

Ansprechpartner im Schwachhauser Beirat war für die MitarbeiterInnen des Freizis zu dieser Zeit Herr Meyer (Bündnis 90/Die Grünen), der sich dort schon seit Beginn für die Idee einer politischen Beteiligung von Jugendlichen im Stadtteil engagierte. In diesem Zusammenhang sprach er schließlich das Team des Freizis an, ob es in der Jugendeinrichtung vielleicht politisch interessierte Jugendliche gäbe, die sich vorstellen könnten, an solch einem Projekt zu arbeiten.Dino Nieszery betont:

"Der Auftrag kam da schon primär vom Beirat."

Und Sibel Özel erinnert sich: "Am Anfang hat der Herr Meyer mich angesprochen, ob man die Jugendlichen […] für die Politik sensibel machen kann. Also Politik ist ja nicht nur das, was man da im Beirat macht. Es ging ja auch darum, dass die Jugendlichen sich einsetzen für ihre Spielplätze oder was im öffentlichen Raum. […] Und ja, Dino war ja der Richtige dafür. Und dann habe ich die Petra gefragt irgendwann, ob sie Lust hat da einzusteigen." Sie ergänzt:"Ich dachte das kommt gut, wenn man das in Form einer Kooperation macht."

Jugendliche treffen sich zu  jugendrelevanten politischen Themen

Ab Juni 2004 war es dann soweit. Es fand sich eine kleine Gruppe von acht bis zehn Jugendlichen zusammen, die motiviert war, mehr für Jugendliche in Schwachhausen zu tun. Dino Nieszery blickt auf diesen Anfang zurück:

"Dann haben wir gesagt, wir suchen praktisch eine Gruppe für einen Jugendbeirat und hatten dann das erste Treffen hier [im Freizi] im kleinen Zimmer, mit Pinnwand, und es sollten irgendwie dann verschiedene Leute dazukommen. Also dann waren auch Schülersprecher vom Kippenberg da und eine ganz bunt gemischte Truppe."

Schnell wurde klar, dass die Idee im Stadtteil auf fruchtbaren Boden stieß. Insbesondere die Ortsamtsleiter Werner Mühl und Ernst Kittlaus, sowie der damalige Beiratssprecher Herr Fehlberg (CDU) unterstützten die Gruppe und ihr Anliegen. Ebenso machten sich auch alle Mitglieder des Beirats Schwachhausen parteiübergreifend dafür stark.

In wöchentlichen Treffen im Freizi Parkallee erarbeiten die Jugendlichen fortan mit pädagogischer Unterstützung von Dino Nieszery und Petra Brandt jugendrelevante politische Themen und setzten sich für die Realisierung und Umsetzung eines Jugendbeirats für den Stadtteil Schwachhausen ein. In Kooperation mit dem Beirat Schwachhausen sollten politisches Interesse, Demokratie und jugendliche Gestaltungsmöglichkeiten gefördert und gestärkt werden.

Ein Jugendlicher gab im Fragebogen an, dass ihm der "Jugendbeirat: Treffen, Sitzungen" besonders gut gefallen hatte. Und auch Felix erinnert sich:

"Dann war das ja erstmal am Anfang so, dass wir super euphorisch waren, was den Jugendbeirat anbelangt und hatten da alle Lust zu." Einige Jugendliche der Clique nahmen das Angebot jedoch vor allem wahr, so schätzt er, weil es für sie ein weiterer Öffnungstag war, andere hingegen waren wirklich dabei. Und auch Dino Nieszery meint:

 "Also ich glaube schon, dass es viele Jugendliche gab, die das als zusätzlichen Öffnungstag gesehen haben, die aber immer mehrere Motive hatten. Klar hatten sie das Motiv, wir können uns hier treffen, aber sie hatten auch das Motiv irgendwas politisch dann zu machen."

Felix überlegt: "Das war glaube ich das, was mich, in der Zeit zumindest, im Freizi gehalten hat." Auch Daniela war lange Zeit im Jugendbeirat und erinnert sich an die Anfänge:

„Das hatte Dino glaube ich ganz am Anfang, als hier auch noch alles im Aufbau war dann vorgestellt, […] das fand ich ganz interessant. Und da waren wir am Anfang bestimmt zehn Leute, die erstmal Interesse gemeldet hatten.“

Und Petra Brandt bemerkt ebenso: „Da waren viele politisch interessiert, das war wirklich so, […] sonst wäre es nicht gegangen." Dino Nieszery weiß jedoch auch:

 "De facto ist dann nur die Gruppe hängen geblieben, die Clique, mit denen wir eh eine stärkere Beziehung einfach hatten. Diejenigen, die halt nur mal wegen dieses Jugendbeirates gekommen waren, die sind dann auch relativ schnell wieder abgebrochen."

Und er ergänzt: "Also das war schon primär die Beziehung zu der Clique und zu den Leuten, die Lust hatten hier was im Haus zu machen. Und die hatten auch Interesse an Politik und an dem weiten Feld von Politik, was da ja auch immer noch dazugehört. Insofern war das immer so eine Mischmotivation, würde ich mal sagen."

Im August 2004 wurde der erste vorläufige Vorstand der "Arbeitsgruppe Jugendbeirat" von den beteiligten Jugendlichen gewählt: Dazu gehörten zwei Vorsitzende (paritätisch besetzt) mit einem Stellvertreter sowie ein Kassenwart und Schriftführer mit jeweiligen Stellvertretern. In zwei Arbeitskreisen wurden diverse politische Themen bearbeitet: Ein AK hatte sich zur Aufgabe gemacht, eine Satzung für den Jugendbeirat zu erarbeiten und ein weiterer AK erarbeitete ein Konzept zur Durchführung von Jugendbeiratswahlen.

In den wöchentlichen Gruppentreffen erarbeiteten die Jugendlichen auch konkrete Positionen zu Themen im Stadtteil, welche sie unmittelbar betrafen. So beschäftigten sie sich zum Beispiel mit den Situationen am Spielplatz an der Biermannstraße und dem Spielplatz am Gustav-Deetjen-Tunnel: Beide Spielplätze besuchten die Jugendlichen mit den PädagogInnen in einer Exkursion, dokumentierten Vorgefundenes und äußerten ihre Änderungsvorschläge per Brief an die Verantwortlichen. Im Freizi-Jahresbericht von 2005 heißt es zu den konkreten Zielen der AG:

  • Initiierung des Jugendbeirates Schwachhausen
  • Etablierung und Sicherstellung der Handlungsfähigkeit des Jugendbeirates
  • Politische Arbeit leisten, mit dem Ziel einer Wahlrechtsänderung für Jugendbeiräte auf Bremer Ebene
  • Öffentlichkeit und Transparenz zu schaffen, um dadurch mehr Jugendliche zur Mitarbeit zu bewegen
  • Durch konkrete Projekte und freizeitpädagogische Angebote Jugendliche für politische Arbeit zu interessieren

 Zukunftswerkstatt und politische Bildungsfahrten

Parallel zu den regelmäßigen Treffen fanden jedoch auch interessante Aktionen und Ausflüge im Rahmen der AG Jugendbeirat statt.

So besuchten die Jugendlichen die Bremische Bürgerschaft auf Einladung des Bürgerschaftspräsidenten Christian Weber. Dino Nieszery erinnert sich:

"Herr Christian Weber war ja bei uns im Freizi, da gibt es ja auch noch Fotos. Und der hat dann gefragt, wenn wir wollen, können wir mal vorbeikommen und das haben wir dann halt auch gemacht." Fünf Jugendliche nahmen zudem zwischen dem 12.-14. Oktober 2004 an einer politischen Bildungsreise nach Berlin auf Einladung der Bundesausländerbeauftragten Marieluise Beck teil, an der sich insgesamt 40 Jugendliche unterschiedlicher Nationalität aus verschiedenen Bremer Stadtteilen beteiligten. Auch im Fragebogen nannten einige diese "Berlinfahrt" oder auch "Fahrt von Marie-Luise Beck nach Berlin (Grüne)" als besonderes Erlebnis. Einem Mädchen gefiel "Berlin" vor allem gut, weil sie "neue Leute kennen gelernt, viel gelernt und gesehen" hatte.

Des Weiteren besuchten zehn Jugendliche mit Dino Nieszery und Petra Brandt  im Rahmen ihrer "Fortbildung zum/r ModeratorIn von Beteiligungsprojekten für Kindern und Jugendlichen" am 06. April 2005 das Jugendparlament in Wunstorf und informierten sich über die Beteiligungsform Jugendparlament und ihre Übertragbarkeit auf Bremen.

Ein weiteres Highlight erwartete die Jugendlichen am 21./22. Mai 2005: An diesem Wochenende führten die beiden BetreuerInnen eine "Jugendwerkstatt für Schwachhausen" durch, welche in der Jugendbildungsstätte LidiceHaus in Bremen- St. Magnus stattfand. Im Fragebogen nannten drei Jugendliche die "Jugendwerkstatt", "Zukunftswerkstatt im LidiceHaus" oder das "LidiceHaus (Jugendwerkstatt)" als etwas,

an das sie sich am liebsten erinnerten. Auch schrieb ein anderer Junge "Planspiele im LidiceHaus", und betonte: "Rollenspiele fand ich schon immer cool". Auch Petra Brandt erinnert sich:

"Was natürlich auch nett war, waren die Angebote im LidiceHaus. Wir hatten da ja auch mit Übernachtung was gemacht […]. Das war immer eine total nette Truppe mit der man einfach viel machen konnte. Das hat mir echt Spaß gemacht."

Petra Brandt betont zugleich auch die Wichtigkeit, in diesem Prozess verschiedene Aktionen mit den Jugendlichen zu machen und vor allem die regelmäßigen Sitzungen abwechslungsreich zu gestalten: "Das war eben viel, dass hier dann auch zusammen gegessen wurde, gespielt wurde. Das gehörte auf jeden Fall dazu, wir haben ja nicht hier nur dienstags gesessen und Protokolle gelesen, ganz im Gegenteil.“ Dino Nieszery erinnert sich:

"Und wenn wir dann nur da saßen und gekocht haben und überlegt haben, wer geht auf die nächste Beiratssitzung und welche Themen werden da besprochen, dann war es halt das. Aber wenn wir dann mal was geplant hatten, […] die Berlinfahrt geplant hatten oder gesagt haben, okay, wie schaut es aus, ein Rhetorikspielchen mal zu machen oder so was in der Richtung, dann waren die da auch dabei." Ansonsten, so betont Petra Brandt, hätte es nicht gut funktioniert, immer wieder auf das politische Thema zurückzukommen: „Das war genau der Punkt, wo dann eben die Frage wichtig war, dass es einfach betreut wurde. Weil, ohne Betreuung wäre es nämlich nicht so gelaufen. Und das ist ja das, was ich auch gut fand, dass das immer nach außen sichtbar gemacht wurde, dass es nicht – was ja viele immer gerne haben, die Politiker – ein selbstorganisierter Jugendbeirat ist. Alles andere als das. Das war es nämlich wirklich nicht.“

 Jugendliche VertreterInnen im Beirat der Erwachsenen

Neben den Treffen und Aktionen ging es für die VetreterInnen der Arbeitsgruppe Jugendbeirat jedoch auch darum, an den offiziellen Beiratssitzungen teilzunehmen. Ernst Kittlaus vom Ortsamt erinnert sich in seinem Schreiben:

"Am 17. Februar 2005 nahmen erstmalig drei Jugendliche, die bereit waren, einen Jugendbeirat zu bilden, an einer öffentlichen Beiratssitzung teil. In den darauf folgenden Sitzungen waren über eine Reihe von Jahren stets zwei Vertreter des Jugendbeirates anwesend."  

Am 07. Juli 2005 wurde letztendlich der kommissarische Jugendbeirat Schwachhausen (JUBS) offiziell vom Beirat Schwachhausen einstimmig beschlossen. Die AG Jugendbeirat, die politische Interessenvertretung Jugendlicher auf kommunaler Ebene, definierte nun:

"Der JUBS ist die projektorientierte, institutionelle, demokratisch legitimierte Vertretung aller Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren in ihrem Stadtteil".

Der Jugendbeirat sollte sich nach einem mehrstufigen Modell weiter entwickeln:

Die erste Stufe ist der kommissarische Jugendbeirat, der zwei Mitglieder und zwei StellvertreterInnen wählt, welche als ständige Gäste am Sitzungstisch des Beirats Schwachhausen teilnehmen und dort Rede- und Antragsrecht haben. Bei Beschlüssen stimmen die JugendbeiratsvertreterInnen mit ab, wobei das Votum bis zur endgültigen Klärung zunächst informellen Charakter hat.

Die zweite Stufe beinhaltet, vom Senator für Inneres und Sport sowie der Bürgerschaft eine Verfassungs- bzw. Wahlrechtsänderung prüfen zu lassen, die in Bremen die Gründung von gesetzlich verankerten Jugendbeiräten ermöglicht, was in anderen Bundesländern (z.B. in Schleswig-Holstein in der Gemeinde Erfde) schon ab dem 19.11.1996 möglich ist. Seit diesem Tag saßen in Schwachhausen nun zwei Jugendliche als Delegierte des Jugendbeirats, die sich selbst als VertreterInnen der Jugendlichen des Stadtteils Schwachhausen sahen, mit am Beiratstisch. Dino Nieszery erinnert sich, dass bei den Treffen im Freizi diese Sitzungen oftmals vorbereitet wurde:

"…was ist denn da jetzt das Thema, welche Fraktion wird da welche Position haben und solche Geschichten."

Daniela, die älteste der Clique, die alles mitentwickelt hatte, erzählt:

„Ich war da nicht lange. Ich war dann irgendwann zu alt. […] Davor war ich dann dabei, wo da noch alles war, wir schreiben jetzt mal ’ne Satzung und wir überlegen uns das. Und dann haben wir irgendwie festgelegt, okay, ab 21 ist es dann auch vorbei mit Jugendbeirat, dann kann man ja theoretisch gesehen auch in den richtigen Beirat gehen, wenn man dann sowas machen will. […] Ich habe zwar noch teilgenommen an diesen Sitzungen und Treffen, aber eher so ohne Stimmrecht.“ 

Im Freizi-Jahresbericht von 2006 heißt es über das Projekt und seine Arbeit:

"Primäre Aufgabe war die Arbeitsfähigkeit, d. h. regelmäßige Treffen, Planungen für die Zukunft des JUBS und Anwesenheit mindestens eines Jugendbeiratsvertreters bei

Beiratssitzungen zu gewährleisten. Ebenso wollen wir die Förderung von Eigenaktivität, Selbstverantwortung und Demokratie. Anvisierte Ziele sind die Durchführung von Wahlen im 2. Quartal 2007, die gesetzliche Verankerung von Jugendbeiräten, mehr Jugendbeteiligung auf Beiratsebene, Stimm- und Antragsrecht und eine prozentuale Kopplung an die Globalmittel."

 Dies wurde ergänzt durch die Bemerkung: "Die Unterstützung des Beirats Schwachhausen erleichtert uns Vieles."

Gesetzliche Verankerung und gelungenes Zusammenspiel

 Nach einigen juristischen Schwierigkeiten, etwa bezüglich der Legitimation der Jugendbeiräte, schaffte die Bremische Bürgerschaft, auf Initiative des damaligen Abgeordneten Herrn Grotheer (SPD), letztendlich die Grundlagen für Jugendbeiräte im Allgemeinen.

Michael Bauer, Referatsleiter Junge Menschen im Amt für Soziale Dienste (AfSD), Sozialzentrum Vahr/Schwachhausen/Horn-Lehe, bemerkt in diesem Zusammenhang anerkennend über die Arbeit des damaligen Ortsamtsleiters Werner Mühl und auch des Beirates:

„Das Besondere fand ich, dass ein Ortsamtsleiter, trotz dieser enormen Widerstände, die damals vom Senator für Inneres gekommen sind, daran festgehalten hat und der Beirat in seiner bunten Zusammensetzung einstimmig dieses Projekt unterstützt hat.“ In der Drucksache 16/614 S vom 09. Oktober 2006 ist schließlich zu lesen:

 "Das Ortsgesetz über Beiräte und Ortsämter vom 20. Juni 1989 (Brem.GBl. S.

241–2011-b-1), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Ortsgesetzes vom 16. Mai 2006

(Brem.GBl. S. 274), wird wie folgt geändert:

4. Nach § 5 wird folgender § 5a angefügt: '§ 5 a Jugendbeiräte Aufgabe des Beirates ist es auch, das kommunalpolitische Engagement von Jugendlichen im Stadt- oder Ortsteil zu fördern und zu unterstützen. Der Beirat kann beschließen, im Beiratsgebiet einen Jugendbeirat zu gründen, der sich aus Jugendlichen des Beiratsbereichs, die 14 aber noch nicht 18 Jahre alt sind, zusammensetzt. Über die Einzelheiten der Einsetzung und der Aufgaben entscheidet der Beirat durch Beschluss. Die Geschäftsordnung des Beirates kann den Mitgliedern des Jugendbeirates das Rede- und Antragrecht für die Sitzungen des Beirates gewähren. § 10 bleibt hiervon unberührt.'"[1]

Michael Bauer betont zudem, dass er die Entwicklung des Jugendbeirates insgesamt als eine Besonderheit und ein gelungenes Zusammenspiel verschiedener AkteurInnen im Stadtteil empfand:

„…eine interessante Entwicklung, wie kann man Jugendbeteiligung etablieren, zumindest auf kommunalpolitischer Ebene. Ein spannendes Experiment, das aus meiner Sicht nur möglich war, weil alle Faktoren stimmig, also positiv besetzt waren. Das fängt damit an, dass man eine jugendliche Clique hatte, die das wollte, die da ein offenes Ohr für hatte. Hinzu kam, dass man ein professionelles Setting hatte, eben euch als Jugendarbeiter, die sich das auf ihre Fahne geschrieben haben, das wollen wir voranbringen, das ist großartig. Und mit einem Ortsamtsleiter, der dieses Vorhaben trotz aller Widerstände gemeinsam mit dem Beirat Schwachhausen, unter allen Umständen wollte und dafür manche Scherereien in Kauf genommen hat. Diese vier Faktoren waren glaube ich überhaupt Voraussetzung dafür, dass das mit dem Jugendbeirat in Schwachhausen was werden konnte, der ja hier [im Freizi Parkallee] beheimatet war und von hier aus ins Leben gerufen wurde. Hier hatten sie ihre Tagungsräume, und eure Unterstützung.“ 

Auch Bernd Assmann, Koordinator der DRK-Jugendfreizeitheime, beschreibt die günstigen Umstände: „Von der Politik gewollt, als Dinos Steckenpferd transportiert, mit Jugendlichen, mit denen man das dann auch konnte.“

 

Nachfolger für das Projekt zu finden ist schwierig

Im Laufe der Zeit gab es jedoch beim Jugendbeirat Kontinuitätsprobleme und immer weniger Jugendliche der Clique beteiligten sich an den Treffen und inhaltlichen Vorhaben. „Das hat sich ja aber leider im Laufe der Zeit auch ein bisschen aufgelöst…“, so bemerkt Daniela. Auch Petra Brandt erinnert sich an diese Phase:

"Als es dann langsam abbröckelte wurde es auch ärgerlich, dass dann nur noch ein paar die Arbeit übernommen haben und viele dann eigentlich nicht mehr regelmäßig kamen. Und ich sag mal, wenn Dino nicht immer so gut dafür gesorgt hätte, dass eine gute Stimmung und gute Grundlage da ist, dann wären viele glaube ich auch gar nicht so lange gekommen. […] Dino war schon eine ganz wichtige Person. Ich sag mal so, ohne Dino wäre das über die Jahre auch gar nicht so gelaufen." 

Im Schreiben vom Ortsamt heißt es zudem: "Das Ortsamt hätte sich verschiedentlich eine stärkere Beteiligung gewünscht. Diese hätte aber vermutlich eine intensivere Vorbereitung (durch wen?) und Einarbeitung in die Tagesordnungspunkte erfordert."   

Daniela weiß im Rückblick: „Und dann wurde es irgendwann schwierig noch Nachfolger zu finden. Und dann war ja die ganze Zeit der Plan, irgendwie Wahlen durchzuführen. Also das war glaube ich unser Hauptthema: Und wann machen wir es letztendlich und wie machen wir es und im Endeffekt machten wir es ja gar nicht.“ 

Und sie ergänzt:

„Das war halt irgendwie damals schwierig. […] Wir haben dann eine Umfrage an den Schulen gemacht, so zum Thema, was stört überhaupt Jugendliche an Schwachhausen. […] Ich fand irgendwie im Nachhinein, dass Schwachhausen vielleicht auch der falsche Stadtteil für so was ist. Auf der einen Seite vielleicht der richtige Stadtteil so, auf der anderen Seite es einfach viel problematischere Stadtteile gibt, wo den Jugendlichen bestimmt viel mehr einfallen würde, was sie verändern wollen, als solche, sag’ ich mal Kleinigkeiten. Das hatten wir damals auch schon, wo wir das erste Mal diese Zukunftswerkstatt gemacht haben und wir uns dann darüber beschwert haben, dass es so viele alte Leute gibt, woraufhin dann dieser Rentnertreff da entstanden ist. […] Im Endeffekt denke ich, da gibt es bestimmt in anderen Stadtteilen viel mehr Handlungsbedarf.“

Schließlich kam es in den Jahren 2006/07 zu einer langsamen Auflösung des Projektes, sicherlich auch bedingt durch die Ablösung der Clique vom Freizi insgesamt. Petra Brandt bemerkt dazu:

"…als dann der Generationswechsel anstand, das hat einfach nicht funktioniert. Weil, wo findest du bitte Jugendliche, die sich allen Ernstes dahin setzen und eine Beiratssitzung mitmachen, die mit vorbereiten, die Protokolle lesen. […] Die müssen erst gebacken werden [lacht]. Und hier gab's die irgendwie, warum weiß ich nicht. Die gab es dann, die haben das ein paar Jahre gemacht und dann war's das auch." 

Michael Bauer findet es vor allem wichtig über alternativen Vorgehensweisen für ein mögliches, zukünftiges Projektes nachzudenken und schildert:

„Im Nachhinein würde ich einiges anders bewerten wollen und für die Zukunft andere Optionen mit einbeziehen wollen, wie man so was vielleicht anders machen kann. Sobald einer dieser vier genannten Erfolgsfaktoren weg bricht, hat man ein Problem. […] Wenn der Nachwuchs nicht wirklich nachwächst, wird es sehr schwierig. Wenn die erste Generation weg ist und die zweite sich nicht etablieren konnte, aus welchen Gründen auch immer, dann ist das Projekt stark gefährdet. Und ist es denn auch wirklich das, was junge Menschen wollen? Eine Kopie, wenn man so will, des großen Beirates, wo viele Dinge besprochen werden, die die Jugendlichen nicht allzu sehr interessieren. Die paar wichtigen Punkte, die sie interessieren, stehen vielleicht ein- oder zweimal im Jahr auf der Tagesordnung. Da sollte man noch mal überlegen, welche anderen Möglichkeiten der Jugendbeteiligung es noch gibt, die für die jungen Menschen so attraktiv und wichtig sind, dass sie sich unbedingt beteiligen wollen.“

 

Viel Anerkennung für das jugendliche Engagement

Trotz des nachlassenden Engagements der Jugendlichen, den Nachwuchsproblemen und somit der faktischen Auflösung des Jugendbeirats, ziehen die Vertreter des Ortsamts im Rückblick eine positive Bilanz, wie Ernst Kittlaus in seinem Schreiben darstellt:

"Für das Ortsamt Schwachhausen/Vahr können wir nur feststellen, dass die Zusammenarbeit mit dem Jugendbeirat stets angenehm und konstruktiv war. Die Bereitschaft zur Teilnahme an den öffentlichen – und hin und wieder auch nicht-öffentlichen – Sitzungen war angesichts des Leistungsdrucks in den oberen Jahrgängen über einige Jahre sehr erfreulich und eine kontinuierliche Weiterentwicklung hätte uns sehr gefreut." 

Auch Bernd Assmann betont anerkennend: „Es war ja eine Zeit, wo sich Jugendliche versucht haben zu beteiligen. Ich finde das ja alleine schon eine Leistung." 

Und Gisela Schaar vom VAJA e.V. findet es insbesondere bemerkenswert, welche verschiedenen Einblicke die Jugendlichen der Clique über die Jahre bekommen haben:

„Hier ist ja politisch auch was entstanden, also sie haben ja nicht nur den pädagogischen Rahmen mitbekommen, sondern das Ganze, ob Controllingausschuss, Beirat, Politiker und so weiter. Das ist ja schon ein sehr großer Rahmen, wo Jugendliche sonst gar nicht so rankommen. Also durch ihre eigenen Aktionen aber auch, die wertgeschätzt wurden und wo sie Forderungen stellen konnten, nach Geld für bestimmte Aktionen. Und sie auch wirklich sich beteiligt haben. Das finde ich auch besonders an dieser Gruppe. Das kann man auch nicht mit jeder machen.“ 

Dino Nieszery betont im Rückblick vor allem noch einmal die besondere Intention der beiden Jugendhilfeträger bezüglich dieses Projektes:

"Unser Anliegen war schon der Jugendbeirat. Aber auch schon immer die Mischung von parlamentarischer Beteiligung und projektbezogener Beteiligung, aber auch  Freizeitpädagogik, politische Bildung und Beziehungsarbeit. Das war schon immer das, warum wir das machen wollten. Wir wollten politische Inhalte vermitteln, aber genauso Beziehungsarbeit und Jugendarbeit machen. Darum ging es uns. Uns ging es nicht primär darum, an sich nur ein Gremium für Jugendbeteiligung zu installieren." 

Ein besonderer Erfolg des Projektes Jugendbeirat in Schwachhausen war und ist sicherlich, dass das Thema Jugendbeteiligung und Partizipation in Presse und Öffentlichkeit stärker präsent ist und diskutiert wird. Vor allem aber, dass das Engagement dazu führte, dass die erarbeiteten Inhalte in einen Gesetzestext flossen, der nun die Voraussetzung und Grundlage für die Etablierung sämtlicher Jugendbeiräte in Bremen darstellt. Auf Grundlage dieser Ortsgesetzänderung haben inzwischen auch andere Bremer Stadtteile Initiativen gestartet, um Jugendbeiräte zu gründen.

In Schwachhausen ist dieses Thema auch nach der Beteiligung der Jugendlichen der Clique immer wieder in Diskussionen in Beirat und Jugendarbeit aufgegriffen worden. So gibt es nun, einige Jahre später, erneute Schritte, um Jugendliche zu motivieren, sich für ihre Bedarfe und Belange im Stadtteil auf projektorientierter und politischer Ebene einzusetzen. Ohne alle Beteiligten in Schwachhausen wäre die Diskussion bezüglich politischer Beteiligung Jugendlicher in Bremen bis dato nicht so weit fortgeschritten. 



[1] Im Ortsgesetz über Beiräte und Ortsämter vom 2. Februar 2010 ist die Altersbeschränkung von 14 -18 Jahren aufgehoben worden.

 

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